» Die Europäische Union ist eine herausragende Errungenschaft unserer Zeit, und ich bin froh, auf meine Weise einen kleinen Teil zur deutsch-französischen Freundschaft beizutragen. «
Student vor einem Gebäude der University of California in Berkeley

Erfahrungsbericht von Julia

Im Wintersemester 2025/26 durfte ich, gefördert von der Lothar und Sigrid Rohde Stiftung, ein ereignisreiches Semester in Grenoble verbringen.

Die kontrastreiche Stadt in den französischen Alpen hat mich sehr positiv beeindruckt, und ich werde dem französischen Lebensstil und der Region für immer verbunden bleiben.

Da ich bereits aus der Schulzeit eine solide sprachliche Grundlage in Französisch mitbrachte und bei Schüleraustauschen mit unserer französischen Partnerstadt gute Erfahrungen gesammelt hatte, fiel mir die Wahl des Landes nicht schwer. Unser Nachbarland hat mich schon immer fasziniert: so nah und doch irgendwie anders.

Abschließend möchte ich festhalten, dass mein Auslandssemester mein Bewusstsein für Europa nachhaltig gestärkt hat. Die Europäische Union ist eine herausragende Errungenschaft unserer Zeit, und ich bin froh, auf meine Weise einen kleinen Teil zur deutsch-französischen Freundschaft beizutragen. Auch geografisch ist Europa ein einzigartiger Ort – mit so viel landschaftlicher, sprachlicher und kultureller Vielfalt, dass man ein ganzes Leben damit verbringen könnte, all seine faszinierenden Ecken zu erkunden. Die Erfahrung hat mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass internationale Zusammenarbeit – in der Forschung wie im Alltag – der Schlüssel zu den großen Herausforderungen unserer Zeit ist.

Grenoble selbst habe ich wegen seiner herausragenden Lage in den Bergen gewählt. Neben Wandern und Klettern im Sommer begeistere ich mich vor allem für den Winterbergsport, weshalb die Skitourenausrüstung natürlich ins Gepäck musste. Tatsächlich werden es vor allem die vielen schönen Wanderungen, Skitouren und das Klettern am Fels sein, die mir am meisten fehlen werden. Dass man von der Stadt aus mit dem Fahrrad mehrere Kletterfelsen erreichen kann, ist einfach unschlagbar. In der Zeit von Ende August bis Anfang Februar konnte ich das gesamte Spektrum an Sommer- und Winterbergsport in vollen Zügen genießen.

Neben unvergesslichen Momenten in den Bergen waren Reisen nach Paris, Lausanne und Nizza weitere Highlights des Semesters.

Auch akademisch war die Zeit in Grenoble sehr erfolgreich. Ich studierte am Institut Polytechnique Grenoble an der Ingenieursschule Phelma (Physique, Électronique, Matériaux), die zu den besten Grandes Écoles Frankreichs zählt – insbesondere im Bereich Elektrotechnik. Ich belegte das neunte Semester des Studiengangs SEI (Systèmes électroniques intégrés). Dies ergänzte meinen Elektrotechnik-Master an der TUM, in dem ich die Vertiefung „Electromagnetics, Microwave Engineering and Measurements“ belege, auf hervorragende Weise. Erstmals konnte ich die Verbindung zwischen Elektronik und Hochfrequenztechnik wirklich durchdringen, was meinen fachlichen Horizont erheblich erweitert und mich auf eine neue Art für mein Fach begeistert hat. Grenoble ist ein international bekannter Standort für Mikroelektronik, und die Hochschule pflegt enge Kontakte zur Industrie.

Neben diesen Begegnungen knüpfte ich auch zahlreiche Kontakte zu anderen internationalen Studierenden. Die Atmosphäre in der Stadt hat mir insgesamt sehr gut gefallen – jung, dynamisch und sportbegeistert. Auch das Laufen habe ich in Grenoble wieder regelmäßig trainiert: Die Stadt bietet ständig einen 360-Grad-Blick auf die Berge, und man kann wunderbar am Ufer der Isère entlang laufen, während man die Sonne genießt.

Das Ingenieurstudium ist in Frankreich deutlich anders organisiert als in Deutschland. Die Grandes Écoles sind – wie der Name vermuten lässt – deutlich verschulter. Es war daher zunächst ungewohnt, im letzten Semester vor der Abschlussarbeit keine Kurse frei wählen zu können, sondern einem fest vorgegebenen Stundenplan mit Anwesenheitspflicht folgen zu müssen. Knapp die Hälfte der Fächer fand auf Französisch statt, was anfangs eine echte Herausforderung darstellte. Umso schöner war es, am Ende auch die Klausuren auf Französisch zu schreiben – wovor ich zunächst großen Respekt hatte – und sie erfolgreich zu absolvieren.

Für Studierende bietet Grenoble zahlreiche erschwingliche Möglichkeiten, Natur und Berge zu erleben. Das Unisportangebot ist vielfältig, und in den umliegenden Skigebieten gibt es günstige Skipässe für Studierende. Besonders meinen Wortschatz rund um Outdoor- und Bergthemen habe ich stark ausgebaut – nicht zuletzt durch einen universitären Kletterkurs, an dem außer mir ausschließlich französische Studierende teilnahmen. Im Laufe des Semesters habe ich mich zudem mit einer netten Gruppe französischer Kommilitonen angefreundet, die mich sehr herzlich und offen in ihre Runde aufgenommen haben. Durch sie gewann ich einen authentischen Einblick in das französische Studentenleben, und wir haben viele schöne Erlebnisse geteilt – sei es beim Weihnachtsmarkt, beim Käsefondue, beim Skifahren oder beim Raclette-Abend. Im Nachhinein erwies sich der anfangs kritisierte schulische Unialltag als großer Glücksfall: Nur so konnte ich echte Freundschaften mit Franzosen schließen.

Nach einer ersten Eingewöhnungsphase konnte ich mich auf das französische System einlassen und auch dessen Vorzüge erkennen. Auf pädagogischer Ebene wird hier mehr der Fokus darauf gelegt, theoretische und praktische Anteile aufeinander abzustimmen. Auch wenn das akademische Niveau dadurch etwas stärker anwendungsorientiert und weniger forschungsbezogen ist als in Deutschland, habe ich sehr viel Neues gelernt und bin froh, diese Erfahrung gemacht zu haben.